© Klaus-Peter Kappest

Smartphones im Test: Taugen sie zur GPS-Navigation?

Ausgabe 168 – Januar/Februar 2013

Know How

Lösen Smartphones nun die Outdoor-Navis ab? Die Frage ist berechtigt. Wir statteten daher drei Smartphones – ein iPhone4S sowie die als „Outdoor-Smartphones“ geltenen Motorola Defy+ und Samsung S 5690 xCover mit zahlreichen Outdoor-Apps aus und ließen uns

Für den Outdoor-Einsatz von Smartphones gibt es Wetterschutzhüllen, die zuweilen auch  ein Akkupack zur Stromversorgung bieten. Foto: Thomas Froitzheim
 Für den Outdoor-Einsatz von Smartphones gibt es Wetter-schutzhüllen, die zuweilen auch ein Akkupack zur Stromversorgung bieten

Warum soll man sich für die Wandertour ein spezielles GPS-Gerät kaufen, wenn das neue Smartphone ohnehin schon mit einem GPS-Chip ausgerüstet ist und im Netz zahlreiche Navigations-Apps kostenlos zur Verfügung stehen? So oder so ähnlich argumentieren mehr und mehr Smartphone-Besitzer. Zudem sind die Smartphones meist deutlich leichter, outdoortaugliche Geräte wie das Motorola Defy+ oder das Samsung xCover bringen mit
99 bzw. 128 Gramm nur etwa die Hälfte des Gewichtes klassischer GPS-Geräte (Garmin Oregon, Satmap, VDO GP7, Falk Lux) auf die Waage.

Der vermeintlich größte Vorteil des Smartphones ist, dass viele Funktionen sich in ihm vereinen, ist aber gleichzeitig auch die Schwachstelle. Wenn das Gerät nämlich ausfällt, ist Schluss mit dem Telefonieren und Orientieren. Gerade im Navi-Modus schwindet die Akku-Energie schneller als erwartet, denn der GPS-Chip, die Darstellung von Karten und die häufig aktivierte Hintergrundbeleuchtung verbrauchen viel Energie. So ging dem iPhone im Test schon nach drei Stunden die Puste aus, das Defy+ hielt knapp vier Stunden durch. Das ist selbst für eine Tagestour zu wenig.

Topografische Karten können die hochauflösenden Displays, insbesondere die der iPhones, sehr gut darstellen –  bei Sonnenlicht kann es aber zu Kontrastproblemen kommen. Foto: Thomas Froitzheim
Topografische Karten können diehochauflösenden Displays, insbesondere die der iPhones, sehr gut darstellen –  bei Sonnenlicht kann es aber zu Kontrastproblemen kommen

Die Displays vieler Smartphones sind im Sonnenlicht nur schwer abzulesen, während Outdoor-GPS-Geräte mit ihren transflektiven Displays das Sonnenlicht zurückstrahlen können. Im Test in praller Sonne konnten weder das Defy+ noch das Samsung überzeugen, einzig das iPhone 4S zeigte einigermaßen guten Kontrast im Herbstlicht.
 
Navigation erfordert häufige Blicke auf das Display, so muss das Smartphone häufig aus der schützenden Jackentasche genommen und den Unbillen des Wetters ausgesetzt werden. Dafür sind die feinelektronischen Multitalente nicht gebaut, Lösungen für den Schutz vor Nässe sind gefragt. Die gängigen Wetterschutzhüllen halten zwar gut dicht, in ihnen kann dem Smartphone mangels ausreichender Belüftung aber sehr heiß werden. Hier demonstrierten die beiden „Outdoor-Smartphones“ ihre Stärken. Sowohl das Defy+ als auch das Samsung xCover ist staub- und spritzwassergeschützt (nach IP 67), sie können auch bei Regen ungeschützt eingesetzt werden. Man sollte allerdings darauf achten, dass die Abdeckungen der zahlreichen Gehäuseöffnungen gut verschlossen sind. Stürze sollen beide Geräte aushalten (wir haben es nicht darauf ankommen lassen). Zudem zählen beide nicht zur derzeitigen Oberklasse der Smartphones, in puncto Display- und Kameraqualität, Bedienbarkeit und Prozessorleistung werden sie vom iPhone4S und einige anderen Modellen deutlich abgehängt. Dafür erweist sich das iPhone als Outdoor-Sensibelchen: Wenn Wasser in die Lautsprecherbuchsenöffnung oder die Steckerleiste eindringt, wird dies von Sensoren festgehalten – und die Garantie ist futsch. Zudem zeigte sich das iPhone im Test relativ empfindlich gegenüber Spannungsschwankungen bei Ladeschaltungen – es lud dann einfach nicht.

Beim Wandern kann das Smartphone meist in der Tasche verschwinden, beim Radfahren dagegen ist es dem Wetter ausgesetzt (hier ein Motorola Defy+). Foto: Thomas Froitzheim
Beim Wandern kann das Smart-phone meist in der Tasche verschwinden, beim Radfahren dagegen ist es dem Wetter ausgesetzt (hier ein Motorola Defy+)

Wer hofft, ein Handy sei leichter zu bedienen als ein Navi, sieht sich nicht selten enttäuscht. Smartphones müssen beim Erststart konfiguriert werden, viele Nutzer berichten über Kinderkrankheiten und müssen Firmwareupdates durchführen. Erst mit WLAN sind sie zuhause richtig einsatzbereit. Beispielhaft zeigen sich hier die Falk-Geräte: auspacken, einschalten, losnavigieren.

Hinsichtlich technischer Funktionen sind Smartphones inzwischen sehr leistungsfähig. Ihr GPS-Empfänger zeichnet die Strecke fast genauso detailgetreu auf wie Outdoor-Geräte. Die
„A-GPS“-Technik – hier erhalten sie über das Mobilfunknetz schon erste Positionsdaten – verhilft ihnen zu schnellem GPS-Empfang. Die geräteeigenen Speicherkarten bieten Platz satt für Daten und Karten.

Unser Fazit: Auf den ersten Blick bestechen die Smartphones mit einer Fülle von Funktionalitäten, die vielfach kostenlos oder zu einem geringen Preis zu haben sind. Ihre Stärke sind Informationen, die online abgerufen werden können, von aktuellen Karten und Versorgungsmöglichkeiten über Reiseinformationen bis hin zu direkten Buchungsmöglichkeiten. Dabei sind sie allerdings meist auf Online-Verbindungen angewiesen, die schon im Inland nicht flächendeckend vorhanden sind und im Ausland sehr teuer werden können (Roaming). Outdoor-Routing also das spontane Berechnen einer Strecke von A nach B auf dem Gerät – ist mit Smartphones derzeit meist nur über Online-Verbindungen möglich. In Sachen Display, Robustheit, Energieausdauer und teilweise auch Navigationskomfort (dies gilt besonders für die routingfähigen Falk-Modelle mit Sprachausgabe) zeigen sich die speziellen Outdoor-Navis den Smartphones allerdings weiterhin überlegen. ...


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