© Klaus-Peter Kappest

Trentinos Süden: Über das Bergland von Lavarone

Ausgabe 169 – März/April 2013

Italien

Südwärts wandern. In Brixen im Eisacktal begann ich 2003 das große Abenteuer. Erst fünf Tage bis Bozen, dann fünf Tage bis Salurn, anschließend weiter auf dem Dürerweg ins Valsugana. Den vorläufigen Schlusspunkt bildet die Tour, die ich Ihnen hier vorstel

Garten Eden

Im Bergland von Lavarone. Foto: Dr. Konrad Lechner
Im Bergland von Lavarone

Das Val Sugana ist ein wahrer Garten Eden. Etwa 300 m über dem Etschtal liegen die ausgedehnten Obstgärten und der See von Caldonazzo, in dem sich die Landschaft spiegelt. Das Tal ist vor allem reich an Apfelbäumen, die im Frühling mit ihren zarten weißrosa Blüten im Grün der Umgebung einen wunderbaren Kontrast bilden. Nicht minder schön ist es im September, wenn die großen gelben Früchte Zweige und Äste nach unten ziehen. Dem durch eine von Trient ausgehende Bahnlinie gut erschlossenen Tal hat der berühmte Trientiner Bergsteigerchor sogar ein Lied gewidmet. Nun bin ich selbst vor Ort und könnte jubeln vor Freude. Um noch tiefer ins Bergland vordringen zu können, geht man von Caldonazzo durch das schluchtartige Tal des Torrente Centa aufwärts. Breite, mit Schotter gefüllte Flächen, in denen der Fluss ruhig dahinfließt, täuschen. Nach der Schneeschmelze und nach Starkregen schwillt er gewaltig an und reißt alles mit, was sich ihm in den Weg stellt. Der von einer Flanke herabstürzende Valimpach ist ein Fingerzeig der gewaltigen Kräfte des Wassers.

Bollwerke von Menschenhand

Mit der roten Spornblume auf dem Weg nach Rovereto. Foto: Dr. Konrad Lechner
Mit der roten Spornblume auf dem Weg nach Rovereto

Eine Aufforderung zum Frieden sind die Hinweise entlang der Wanderroute. Vor etwa 100 Jahren tobte ein Gebirgskrieg zwischen Italien und Österreich. Das gewaltige Bauwerk des „Comando Austriaco“ vermittelt einen Eindruck von den Dimensionen dieser Bollwerke. Erschüttert stehe ich am nächsten Tag am ehemaligen Kriegerfriedhof bei der Festung Cherle. Es ist nicht einmal bekannt, wie viele Soldaten auf dem 1915 errichteten Friedhof begraben sind. Und all das in dieser wundervollen Natur! Der Frühling in den Bergen gehört sicher zu den ganz großen Naturerlebnissen. Nach meinen Erfahrungen kann man ihn hier von Ende Mai bis Anfang Juni besonders auf dem Weg zum Passo Coe genießen. Die nach Norden geneigten Hänge sind im Wald oft noch schneebedeckt. Nur an den von der Sonne beschienenen Stellen blüht auf dem Waldboden die weiße Zahnwurz. Auf den sich anschließenden Almwiesen blühen zwischen den Schneeresten zigtausende Frühlings-Krokusse, daneben stehen Alpen-Soldanellen mit ihren zarten violetten Blüten, unterbrochen vom himmelblauen Frühlings-Enzian. ...


Text und Fotos: Dr. Konrad Lechner
Text und Fotos: Dr. Konrad Lechner

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Ausgabe 169

März/April 2013