© Klaus-Peter Kappest

Dahner Felsenland: Deutsch-Französischer Burgenweg

Ausgabe 170 – Mai/Juni 2013

Manche erinnern an rostrote Zahnstümpfe monströser Urviecher. Einige schauen aus wie gigantische Tische. Andere haben Ähnlichkeiten mit versteinerten Riesen. Erstaunlich genug, viele dieser Felsen dienten den Menschen des Mittelalters als wehrhafte Fel

Ein Friedenspfad

Der Hingucker schlechthin: die Burgruine Fleckenstein. Foto: Tourist-Information Dahner Felsenland
Der Hingucker schlechthin: die Burgruine Fleckenstein

Der Deutsch-Französische Burgenweg demonstriert schrankenlose Freiheit. Es ist unmöglich, die einst gesicherten Grenzen auszumachen. Lange vor dieser Grenze toste der Zweite Weltkrieg durch die wundervolle Hügelteppichlandschaft des südlichen Pfälzerwaldes, dessen Muster sich im Elsass nahtlos fortsetzt. Die Natur kennt keine Grenzzäune. Wo der Buntsandstein aus den Bergen heraus erodiert sitzen die rostroten Kontrapunkte des Dahner Felsenlandes. Durchbrechen den grünen Baumpelz mit wundervoll nuancierten, rostbraunen Farbtönen. Die kühnsten Sandsteinfelsen, sei es als Felsensporne über dem Tal oder als alles überragende Himmelsstürmer, sind burgenbewehrt. Als Felsenburgen mit Felskammern, in den Fels geschlagenen Aufgängen, mit Sandsteinquadern zu Wohntürmen, Bergfrieden, Treppentürmen und Schildmauern erhöht und bewohnbar gemacht.

Schönauer Morgen

Gewaltige Rundumsicht vom Felsenplateau des Bayerischen Windstein. Foto: Tourist-Information Dahner Felsenland
Gewaltige Rundumsicht vom Felsenplateau des Bayerischen Windstein

Bei zehn Grad unter Null warte ich am Schönauer Dorfbrunnen, der bereits mit wundervollem Osterschmuck dekoriert ist, auf meine Wanderbegleiter. Denise leitet das Tourismusbüro von Sauer-Pechelbronn auf der französischen Seite, Peter ist Tourismuschef der pfälzischen Verbandsgemeinde Dahner Felsenland. „Wandern wärmt nicht nur die Herzen“, meint Denise und so steigen wir gemächlich auf wundervoll schmalen, mäßig ansteigenden Pfaden durch den Schwobberger Buchenwald bergan. Wie stets, wenn man die Halskrause dieser pfälzischen Buckel erreicht, wachsen die Felsen aus dem Boden. Die Schlüsselfelsen erreichen eine beachtliche Länge. Schuppungen, eingebackene Kieselsteine aus der Urmeerzeit, Auswaschungen, Fensteröffnungen – eine unendlich kreative Formensprache.

Foto: Tourist-Information Dahner Felsenland
Foto: Tourist-Information Dahner Felsenland

„Der Schöpfer hat sich hier viel Zeit genommen“, meint Peter. Am Langen Fels vorbei steigen wir die letzten Meter zur 574 m hoch gelegenen Wegelnburg auf. So weit das Auge blicken kann: eine bucklige Welt. Ein bewegender Ort. Die nahe gelegenen Burgruinen Hohenburg und Löwenstein stehen dem Blickerlebnis in nichts nach und befinden sich bereits im Elsass. „Am 5. Mai haben wir den ersten Deutsch-Französischen Wandertag in Schönau“, ruft Denise stolz. Wir steigen an einer endlos langen Felsgräte, dem Langenfels, hinunter und stehen staunend vor der gewaltigen Burgruine Fleckenstein. Anders als die übrigen sieben Felsenburgen am Weg, kann der Fleckenstein nur während der Öffnungszeiten besichtigt werden. Ein Muss!

Was Sauer und Steinbach singen

Sonnenaufgang auf der Wegelnburg. Foto: Tourist-Information Dahner Felsenland
Sonnenaufgang auf der Wegelnburg

Wasser und Wiesen – die Sauer wurde zu einem kleinen Wasserparadies gestaut. Reiher, Schwäne und Enten beleben die Wasserfläche und haben die Lufthohheit. Bald schwenkt der Deutsch-Französische Burgenweg nach rechts ins breite Steinbachtal. Wiesen im Tal, gelegentlich ein Gehöft mit Pfauen, Gänsen und dem obligatorischen Gebell des Hofhundes – schönes Wandern. Dann geht es rechts bergan. „Wir erreichen gleich unsere Dornröschenburg.“ Peter findet, dass die Frönsburg, eine typische Felsspornburg, einen besonders verschlafenen Eindruck macht.

Mit einem ganzseitigem ausführlichen Tourentipp
Mit ganzseitigem ausführ-lichen Tourentipp "Deutsch-Französischer Burgenweg"

Die Aussicht ist jedenfalls wieder allererster Sahne. Kein Museumswärter haut einem auf die Finger, wenn man mit den Händen über die ausgewaschenen Stufen streicht, einen Konsolstein berührt oder einfach nur seine Picknicksachen ausgepackt. Tobende Kinder, verliebte Paare – jeder ist frei!  Auf schmalem Pfad durch alten Buchenhochwald umrunden wir den weit ins Steinbachtal vorragenden Falkenberg, erreichen am Col de Hichtenbach eine Hütte und sitzen eine Stunde später im Restaurant Cheval Blanc und resümieren unseren ersten Wandertag. „Und?“ „Perfekt!“ Peter meint, es gebe da auch noch einen 7 km langen Grenzgängerweg vom kleinen Nothweiler aus. „Ein bisschen hüben und ein bisschen drüben eben.“ ...


Infos zur Region: www.dahner-felsenland.net, www.tourisme-nordalsace.fr


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