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Mehrwert unter Wert: Wanderführer mit digitalen Daten

Ausgabe 175 – März/April 2014

Know How

Eigentlich optimaler Wandergenuss: Ein gedruckter Wanderführer bietet die schönsten Touren der Region, mit sämtlichen Informationen wie Sehenswürdigkeiten, Einkehrmöglichkeiten und Hinweisen zur Anreise. Zum Wanderführer gibt es dann den Wegeverlauf und e

Von Thomas Froitzheim, GPS-Experte
Von Thomas Froitzheim, GPS-Experte

In unserem Testfeld befanden sich die Eifel-Wanderführer von Rother, Bruckmann, Michael-Müller-Verlag, Hikeline (Esterbauer), J.P. Bachem, ideemedia und Droste-Verlag. GPS-Daten sind übrigens kein Ersatz für das gedruckte Werk, denn sie enthalten nicht den kompletten Wanderführer in digitaler Form, sondern nur den Wegeverlauf und eventuell einige Orientierungspunkte. Wichtige Fragen wie „Wo bin ich?“, „Wie weit ist es noch?“ und „Wie lange geht der Aufstieg noch?“ können präzise von einem GPS-Gerät beantwortet werden, ganz zu schweigen von der spontanen Navigationsmöglichkeit zu einem beliebigen Ziel on tour.

© Thomas Froitzheim
© Thomas Froitzheim

Die gute Nachricht: Mit den von uns getesteten Daten ist eine Orientierung im Gelände in den meisten Fällen gut bis sehr gut möglich. Die digitalen Wegestrecken entsprachen zwar nicht immer ganz exakt den echten Wegeführungen, aber ein weiträumiges Verlaufen ist eigentlich ausgeschlossen. Die Daten konnten auf unser Test-Gerät Garmin Oregon 650 heruntergeladen und visualisiert werden, teilweise aber erst durch Nachbearbeitung (z.B. die Benennung der Tour oder die Bereinigung der vielen Null-Werte bei den Höhendaten). Bei einigen Verlagen muss man sich vor der Bereitstellung des Downloads erst registrieren.

Anleitungen: nichts für Anfänger

Wer als Anfänger auf die Daten des Droste-Verlages klickt, schaut in den Code der GPS-Daten. Die Lösung: Mit der rechten Maustaste anklicken und „Ziel speichern unter“…wählen. Aber das steht leider nirgendwo. © Droste
Wer als Anfänger auf die Daten des Droste-Verlages klickt, schaut in den Code der GPS-Daten. Die Lösung: Mit der rechten Maustaste anklicken und „Ziel speichern unter“…wählen. Aber das steht leider nirgendwo. © Droste

Vollkommen unverständlich: Kein Verlag vermittelt seinen Kunden den Mehrwert der GPS-Daten, d.h. was es eigentlich bringt, diese Daten zusätzlich zum gedruckten Führer auf einem GPS-Gerät zu nutzen. Noch eine Chance bleibt weitgehend ungenutzt: Die GPS-Daten sind nämlich auch auf Smartphones nutzbar, aber dazu schweigen sich alle Verlage aus – bis auf ideemedia. Tipp: Rother und Michael Müller bewerben zwar ihre eigenen Apps, aber die Buchdaten sind auch auf fremden Apps nutzbar.

Unverständlich sind leider auch manche der Anleitungen, vor allem für Erstnutzer. Dabei könnte es bei entsprechend aufbereiteten Daten so einfach sein: GPS-Gerät an den PC anschließen, GPX-Dateien in das GPX-Verzeichnis des Gerätes kopieren – fertig. Übrigens fehlt bei allen Kandidaten ein ganz wichtiger Hinweis, gerade für Anfänger – dass man bei Tagestouren möglichst nur den Datensatz der aktuellen Tour auf ein GPS-Gerät übertragen sollte, um das Wiederfinden der Daten auf dem GPS-Gerät eindeutig zu ermöglichen.

Stattdessen wird uralte oder umständliche Software empfohlen. Das Naheliegende für die meisten GPS-Gerätenutzer – nämlich Anschauen und Übertragen der Daten mit Garmins kostenloser Software BaseCamp – findet sich vereinzelt bei intensiver Recherche. Bedauerlich: Hinweise auf wirklich nutzerfreundliche Software wie MagicMaps Tour Explorer und auch auf weiterführende digitale Kartographieprogramme wie QuoVadis oder CompeGPS fehlen ganz. Denn damit könnten etwas geübte Nutzer die Tourenvorschläge nicht nur vor der Tour prüfen und dann aufs GPS-Gerät übertragen, sondern noch besser auf ihre individuellen Bedürfnisse einstellen: Touren nach Wunsch kürzen oder verlängern, die Richtung umdrehen oder Touren zusammenlegen. Auf den Internet-Seiten der Verlage fehlen wirklich nutzergerechte, einfache Anleitungen zum Übertragen der Daten auf die GPS-Geräte.

Datensystematik: Vorsicht Chaos

Etwas umständlich: erst die Webseite des Verlages aufrufen, dann den Code aus dem Buch eingeben, dann mit Passwort und Benutzernamen anmelden, dann soll man sich beim Download für ein Format entscheiden, wobei leider das meist unpassende ‚OVL‘ vorau
Etwas umständlich: erst die Webseite des Verlages aufrufen, dann den Code aus dem Buch eingeben, dann mit Passwort und Benutzernamen anmelden, dann soll man sich beim Download für ein Format entscheiden, wobei leider das meist unpassende ‚OVL‘ vorausgewählt ist, das von keinem GPS-Gerät akzeptiert wird. © ideenmedia

Track- und Wegpunktnamen sollten möglichst kurz und prägnant sein, sonst werden sie auf den kleinen Displays der Geräte einfach abgeschnitten. Eine gute Systematik der Benennung von Tracks und Wegpunkten findet sich eigentlich nur bei Esterbauer und verstärkt bei Michael Müller – dort können Tracks und Wegpunkte mehrerer Führer auf demselben GPS-Gerät gleichzeitig angewendet und dem Buch zugeordnet werden.

Handwerkliche Datenqualität: die Lage stimmt. Das Wichtigste der GPS-Daten ist ihre Lagequalität, und hier sehen unsere Testkandidaten gut bis sehr gut aus – fast alle Tracks liegen meist wegegenau auf den beschriebenen Strecken. Die meisten Abweichungen zeigt bei unserer Stichprobe ausgerechnet der Verlag, der sich am intensivsten um seine GPS-Daten kümmert: Michael Müller. Nicht immer stimmte der Buchinhalt mit den digitalen Daten überein – bei ideemedia sind die Zuwege komplett entgegengesetzt nummeriert.

Höhendaten: Vorsicht vor der Summe

Schade: der Rubbelcode auf der Rückseite des Michael-Müller- Wanderführers ist nur schwer zu erkennen und leider leicht zu zerstören. Ein Code auf einer  Buchinnenseite ist später, z. B. auf der Reise, auch sicherer wieder  aufzurufen. © Thomas Froi
Schade: der Rubbelcode auf der Rückseite des Michael-Müller- Wanderführers ist nur schwer zu erkennen und leider leicht zu zerstören. Ein Code auf einer Buchinnenseite ist später, z. B. auf der Reise, auch sicherer wieder aufzurufen. © Thomas Froitzheim

Bis auf Bruckmann enthalten sämtliche Tracks auch Höheninformationen. Sehr nützlich, denn damit kann man sich bei der Planung ein Höhendiagramm erzeugen und unterwegs den Höhenverlauf der gesamten Tour auf seinem GPS-Gerät anzeigen lassen. Die Höhendatenqualität unserer Beispieltracks war bis auf ideemedia – wo die meisten Werte auf Null zurückgesetzt waren – ausreichend bis gut. Man sollte aber nicht versuchen, die Anzahl der Höhenmeter (also Summe der Steigungen) aus den digitalen Tracks zu berechnen – dafür gibt es noch kein wirklich verlässliches Verfahren. So konnten wir zum Beispiel aus den vorhandenen Höhendaten der Calmont-Tour auf nur 6,8 km zwischen 340 und 1200 Höhenmetern herausrechnen, je nach Beispieldaten und Messverfahren.

Wegpunkte: schöner Mehrwert

Um den Weg zu finden, reicht ein Track aus. Michael Müller, Rother und Bachem liefern zum Track zusätzlich Wegpunkte. Diese einzelnen Ziele sind die typischen Orientierungspunkte (Sehenswürdigkeit hier, Abbiegevorgang dort), die üblicherweise in einem Wanderführer beschrieben werden.

Fazit

Mit dem QR-Code kann man sich per Smartphone sogar zum Startpunkt der Tour leiten lassen. Das ist clever! © ideenmedia
Mit dem QR-Code kann man sich per Smartphone sogar zum Startpunkt der Tour leiten lassen. Das ist clever! © ideenmedia

Die Verlage haben gute Daten im Angebot, aber an ihrer Eignung für GPS-Geräte und vor allem an der Hinführung des Kunden zur Anwendung mangelt es noch. Zuweilen so sehr, dass Neukunden durchaus abgeschreckt werden können. Am besten gefallen haben uns die Angebote von Michael Müller, Esterbauer und Rother. ideemedia hat pfiffige Ideen, sollte aber ebenfalls noch handwerklich nachbessern. Bruckmann bietet ausreichenden Basisservice, aber Daten sollten manuell umbenannt werden. Bachem und Droste ermöglichen den einfachsten Datenzugang, liefern aber teilweise leider unzureichend aufbereitete Daten.


Wir haben folgende Wanderführer getestet:

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