© Klaus-Peter Kappest

Pilgern: Auf dem Pilgerweg durch Norwegen

Ausgabe 180 – Januar/Februar 2015

Norwegen

31 Tage wandern, jeden Tag laufen, 643 Kilometer durch ein fremdes Land. Alleine. Warum macht jemand so was? Warum begibt sich jemand auf eine Reise, die dem Menschen nicht nur körperlich einiges abverlangt? Sich freiwillig einer Situation auszusetzen, i

Alle Wege führen nach Nidaros

Willkommensempfang  in Trondheim. Foto: Hanna Engler
Willkommensempfang in Trondheim. Foto: Hanna Engler

Die als St. Olavswege bekannten Pilgerrouten in Dänemark, Schweden und Norwegen, ist eines gemein: Allesamt führen sie nach Trondheim, ehemals Nidaros. Der längste in Norwegen verlaufende Weg ist der Gudbrandsdalsleden. Nach dem Tal benannt, durch das er führt, wird er aufgrund seiner historischen Bedeutung und Beliebtheit schlichtweg Olavsweg genannt. Von Oslo bis zur nordwestlichen Stadt am Fjord folgen Pilger seit dem Mittelalter auf fast 650 km den Spuren des Heiligen Olavs, der als König von Norwegen 1015 n. Ch. maßgeblich verantwortlich für die Christianisierung des skandinavischen Landes war. Nach seinem Tode auf dem Schlachtfeld 1030 als Märtyrer heilig gesprochen, begannen Christen aus allen Himmelsrichtungen zur Grabstätte seiner sterblichen Überreste zu pilgern, dem beeindruckenden Nidaros-Dom in Trondheim.

Pilgern in Norwegen

Abgeschiedenheit pur! Alleine mit Kühen... Foto: Hanna Engler
Abgeschiedenheit pur! Alleine mit Kühen... Foto: Hanna Engler

Norwegen, da denkt man wohl nicht zuerst an das Pilgern, sondern vielleicht an Fjorde, Polarlichter, Elche, und wer an das Pilgern denkt, denkt wohl auch nicht zuerst an Norwegen. Zu groß die Namen der heiligen Städte Santiago de Compostela, Rom, Jerusalem. Und doch ist dieser Verbund auch ohne religiöse Motive so logisch, so klar, wenn man es erstmal die ersten, noch von der Zivilisation geprägten Etappen aus der norwegischen Hauptstadt hinaus geschafft hat: Wenn man am fünften Tag in die Wälder zwischen Eidsvoll, Hamar und Lillehammer eintritt und tagelang kaum einen anderen Menschen trifft, kein Auto sieht, keine Straßen, kein Lärm – nur das Geläute der Schafsglocken.

Keine Zivilisation, kein Zwang, nur Zeit

Idyllische Plätze wie hier in Ryphusan gibt es viele. Die Pilgerhütte ist nicht bewirtschaftet. Waschen im Fluss, das Plumpsklo vor der Tür. Foto: Hanna Engler
Idyllische Plätze wie hier in Ryphusan gibt es viele. Die Pilgerhütte ist nicht bewirtschaftet. Waschen im Fluss, das Plumpsklo vor der Tür. Foto: Hanna Engler

Denn erst da, nachdem ich mich an das Laufen gewöhnt habe, die ersten Kirchen auf dem Olavsweg besichtigt und einige Male in historischen Holzhütten übernachtet habe. Erst da wird mir bewusst, warum es die richtige Entscheidung war, einmal von Süden nach Norden durch das Wikingerland zu pilgern: Es ist die Ruhe, die Einsamkeit und Abgeschiedenheit vom alltäglichen Leben. Die Einfachheit im Dasein, die so wohltuend ist in unserer heutigen Zeit, in der man Hektik und Konsum kaum entfliehen kann. Aufstehen, Schuhe binden, loslaufen, Pause machen, wann es einem passt, ankommen, essen, waschen, schlafen. Nicht erreichbar sein, sich nicht nach Terminen richten, kein Zwang, produktiv zu sein. ...


Infos zur Region: www.pilegrimsleden.no/de/map/gudbrandsdalsleden



Weiter geht's in der Print-Ausgabe

Diese Artikel finden Sie vollständig in unserem Heft.

Alle zwei Monate neu mit vielen ausgearbeiteten Tourentipps, Kartematerial, Touristeninformationen und natürlich jede Menge wunderschöner Bilder und Eindrücke!