© Klaus-Peter Kappest

Albanische Alpen

Ausgabe 186 – Januar/Februar 2016

Ankunft in Fierza. Foto: Thorsten Hoyer

Hier am Komanstausee beginnt das Abenteuer von Thorsten Hoyer in den Albanischen Alpen. Foto: Thorsten Hoyer

Die Gastfreundschaft der Albaner drückt sich auch im reich gedeckten Tisch aus. Foto: Thorsten Hoyer

Rragami Richting Valbona-Pass. Foto: Thorsten Hoyer

Der Autor: Thorsten Hoyer – der „Artic Circle Trail“ ist sein nächstes Abenteuer. Wir dürfen gespannt sein.

Miredita Albanien

Meine Entdeckungsreise in die Albanischen Alpen beginnt äußerst entspannt. Gemütlich tuckert die kleine Fähre Rozfana über das spiegelglatte Wasser des Komanstausees. Zu beiden Seiten ragen Felswände steil auf und verengen den fjordartigen See bis auf 50 m. Etwa drei Stunden dauert die Fahrt von Koman nahe der Staumauer bis Fierza, einer Anlegestelle und zwei Häusern. Während die Berge an mir vorbeiziehen, kommt mir deren anderer Name in den Sinn – Verwunschene Berge. Geheimnisvoll und die Fantasie anregend! Ein lautes „Rrrumps“ lässt mich erschrocken zum Kapitän blicken, der bislang fast regungslos am Steuer saß. Nun ergreift ihn die Hektik: Die heruntergelassene Bugklappe kracht gegen die Kaimauer. Als klar wird, dass selbst die schweren Geländewagen nicht von der Fähre kommen, bricht auch an Land Hektik aus. Es wird gebuddelt, Steine werden verschoben, wildes Gestikulieren beim Rangieren der Off-Roader. Während ich das Schauspiel beobachte, ruft an Land jemand nach den Passagieren für die Weiterfahrt nach Valbona. Hier kann es noch dauern, also steige ich kurzerhand über einen der Geländewagen und klettere über die Bootsreling an Land.

Bei Kola in Valbona

Das 32 km entfernte Valbona liegt im gleichnamigen Nationalpark und ist mein Ziel. Wenig später sitze ich im Auto von Bashkim, der mir stolz erzählt, dass die asphaltierte Zufahrtsstraße bis vor kurzem noch eine rumplige Schotterpiste war. Und er hoffe darauf, dass jetzt mehr Touristen kommen. Von ihnen gibt es bislang nur wenige, selbst in Valbona, das als touristisches „Zentrum“ Nordalbaniens gilt. Einen geschlossenen Ortskern, Geschäfte und Restaurants gibt es nicht. Valbona besteht vielmehr aus weit auseinander liegenden Gehöften, die fast alle Unterkunft im Haus mit Verpflegung aus eigenem Garten anbieten. Es dauert nicht lange, bis ich auf einer Holzbank vor Kolas Gästehaus sitze und Ausblick sowie kaltes Birra Korça genieße. Kola ist der charismatische Chef des Hauses und ein aufmerksame Gastgeber. In einer ziemlich neuen Holzhütte serviert er mir ein köstliches Abendessen: selbstgebackenes Brot, gebratenes Zicklein, Ziegenkäse, Gurken, Tomaten und Zwiebeln. „Gastfreundschaft“ hat für die Menschen hier in den Bergen eine weit größere Bedeutung, als man sich das in Mitteleuropa gemeinhin vorstellt. Sie wird mit Ehre gleichgesetzt und bildet die Grundlage des Kanun, ein mündlich überliefertes Gewohnheitsrecht aus dem Mittelalter, das bis heute erhalten ist.

Auf dem Peaks of the Balkan nach Teth

Nach einem ausgedehnten Frühstück am nächsten Morgen verabschiede ich mich von Kola und seiner Frau und starte meine rund 18 km lange Wanderung ins Bergdorf Teth. Der Weg ist weiß-rot-weiß markiert und eine Etappe des „Peaks oft the Balkans“. Seit 2013 führt dieser Fernwanderweg auf knapp 200 km durch die ursprüngliche Bergwelt Albaniens, Montenegros und des Kosovos. Zunächst folge ich der Markierung durch ein breites, fast ausgetrocknetes und mit blendendweißen Kieseln gefülltes Bachbett. Da die Markierungen nicht immer sofort auszumachen und auch mal widersprüchlich sind, komme ich zunächst nur langsam vorwärts. Der Weg führt an ein paar Häusern vorbei hinein in einen dicht bewaldeten Talkessel, über dem sich majestätisch die Berggipfel erheben. Irgendwo dort oben befindet sich der Valbonapass, der Übergang ins Shalatal. ...



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