© Klaus-Peter Kappest

Von Null auf 1.848 Meter: Norwegen

Ausgabe 188 – Mai/Juni 2016

Norwegen

Der Aurlandsfluss ist treuer Begleiter. © Thorsten Hoyer

Der Aurlandsfluss ist treuer Begleiter. © Thorsten Hoyer

Der Aurlandsfluss ist treuer Begleiter. © Thorsten Hoyer

Aurlandsdalen – Blick auf den Nesbövatnet (Nesbösee) kurz nach dem Start in Österbö Fjellstovee. © Thorsten Hoyer

Aurlandsdalen – Blick auf den Nesbövatnet (Nesbösee) kurz nach dem Start in Österbö Fjellstovee. © Thorsten Hoyer

Aurlandsdalen – Blick auf den Nesbövatnet (Nesbösee) kurz nach dem Start in Österbö Fjellstovee. © Thorsten Hoyer

Mächtige Felsen wachen über den Eingang zur Höhle Vetlahelvete, der „kleinen Hölle“. © Thorsten Hoyer

Mächtige Felsen wachen über den Eingang zur Höhle Vetlahelvete, der „kleinen Hölle“. © Thorsten Hoyer

Mächtige Felsen wachen über den Eingang zur Höhle Vetlahelvete, der „kleinen Hölle“. © Thorsten Hoyer

Hinter den Bergrücken erstrecken sich rund 400 km² Eis. © Thorsten Hoyer

Hinter den Bergrücken erstrecken sich rund 400 km² Eis. © Thorsten Hoyer

Hinter den Bergrücken erstrecken sich rund 400 km² Eis. © Thorsten Hoyer

Sehr klein fühlt man sich in der eisigen Welt des Nigardsbreen. © Thorsten Hoyer

Sehr klein fühlt man sich in der eisigen Welt des Nigardsbreen. © Thorsten Hoyer

Sehr klein fühlt man sich in der eisigen Welt des Nigardsbreen. © Thorsten Hoyer

Herrschen in Deutschland seit Tagen Temperaturen nahe der 40°-Marke und große Trockenheit, wische ich hier am Eingang des Berggasthofes Österbö Fjellstove dicke Regentropfen vom Thermometer.

Ein Blick auf die Anzeige verrät: die Temperatur ist gerade noch zweistellig. Dicke dunkelgraue Wolken sorgen unermüdlich für nassen Nachschub. Auf der rund dreieinhalbstündigen Fahrt von Bergen in die hoch oberhalb des Aurlandsfjordes liegende Ferienanlage waren die mehr als 50 Tunnel die einzigen Regenpausen. Aber was schert es mich? Bei dem ungemütlichen Wetter fühle ich mich in der heimeligen Gaststube noch geborgener. Da bringt mich auch der riesige, Männchen machende Eisbär (ein präparierter Svalbard-Export) nicht aus der Ruhe. Meine Wanderung beginnt erst morgen…

18 km Aurlandsdalen – Auf und ab und wildromatisch

Kaum erwacht, werfe ich einen prüfenden Blick aus dem Fenster. „Ja“, entfährt es mir sofort, als ich in den längst nicht mehr so düsteren Wolken einige blaue Lücken entdecke. Es ist Freitag, es sind norwegische Sommerferien und so ist schon ganz schön was los hier oben in Österbö. Gut ausgerüstete Trekker machen sich in alle Himmelsrichtungen davon. Gruppen, Paare und Familien mit kleinen Kindern zieht es ins Tal nach Vassbygdi. Das ist auch mein heutiges Ziel. Nach einem typischen skandinavischen Frühstück – ich gebe zu, ich mag diese in alle möglichen Saucen getränkten Heringe – mache ich mich direkt vom Frühstückstisch aus auf den Weg. 

Der vor mir liegende Teil des insgesamt rund 40 km langen Aurlandsdalen besticht durch einen besonders wildromantischen Charakter. Das Ende des Tales und somit auch der Wanderung liegt in der kleinen Ortschaft Vassbygdi. Bis dahin sind es etwa 18 km sowie mehr als 1.100 Höhenmeter Abstieg und gut 500 Höhenmeter Aufstieg. Der viele Regen der vergangenen Tage hat den Pfad teilweise so aufgeweicht, dass ein Vergleich mit dem Gehen auf nassen Schwämmen durchaus passt. Petrus scheint der Anblick von Wanderern in bunten Regenklamotten wohl überdrüssig. Jetzt wird die Wolkendecke zusehends dünner, reißt weiter auf und die Temperaturen steigen schnell an. Ein faszinierendes Schauspiel, wie einzelne Sonnenstrahlen gleich einem riesigen Spot die Landschaft beleuchten, es hat etwas Majestätisches. Den Blick stets talwärts gerichtet, entgeht mir keine der großartigen Aussichten. Ich passiere einige verlassene Bauernhöfe, die bis in die 1920er Jahre ganzjährig bewohnt waren. Wie beschwerlich muss der Alltag für die Bewohner gewesen sein! 

Der teilweise felsige und steile Pfad führt manchmal so dicht an Wasserfällen vorbei, dass ich erst mal die Lage sondiere, um die bestmögliche, also die am wenigsten nasse Passage zu finden. Den kurzen Abstecher zur Höhle Vetlahelvete lasse ich mir nicht entgehen. Der Name bedeutet so viel wie „kleine Hölle“. Über Holzbohlen balanciere ich zu einem mächtigen Felsen, dessen glatte Front ich mithilfe eines Seiles erklimme. Danach stehe ich an einem kleinen See, darüber türmen sich mächtige, von Wasser und Eis geschliffene Felsgebilde. Nach diesem mystischen Platz passiere ich zwei weitere verlassene Höfe, dann wird der Weg breiter und ich erreiche das am Talende liegende Vassbygdi nahe des Aurlandfjordes.

3 Stunden Gletscherzeit – ein Schlenker zum Nigardsbreen

Am nächsten Tag mache ich auf meiner Weiterfahrt nach Loen am Nordfjord noch einen Schlenker zum Nigardsbreen, dem wohl bekanntesten Ausläufer von Europas größtem Festlandgletscher, dem Jostedalsbreen. Schon vom Parkplatz aus präsentiert sich die riesige, zwischen den Bergen hervorschiebende Eiszunge in kühler Eleganz. Die Möglichkeit, das Eis aus allernächster Nähe zu erleben, will ich mir nicht entgehen lassen, und schon zieren respektable Steigeisen meine stabilen Wanderschuhe. Eispickel in der Hand, Seil am Hüftgurt und Arno vor mir. Arno ist rheinländischer Berg- und Gletscherführer, der im Winter in der Schweiz und im Sommer hier am Nigardsbreen arbeitet. Mit Blick in den Himmel schildert er, dass man die bisherigen Sommertage an zwei Händen abzählen könne und der vergangene Winter einer der längsten und härtesten seit über 30 Jahren gewesen sei. Ein klagender Ton ist dabei nicht zu hören. „Das ist gut für die Gletscher“, sagt er und gibt das Zeichen zum Losgehen. ...



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