© Klaus-Peter Kappest

Zeichen der Verlässlichkeit: Gütesiegel beim Wandern

Ausgabe 189 – Juli/August 2016

Naturnahe Pfade, abwechslungsreiche Wegführung, schöne Aussichten und Rastplätze, Einkehrmöglichkeiten oder sichere Markierung...

Was Wanderer zufrieden stellt, darüber haben sich kluge Köpfe viele Gedanken gemacht, die ausschlaggebenden Kriterien klar formuliert und messbar gemacht. Gütesiegel für Wanderwege, Wandergastgeber, ja ganze Wanderregionen geben uns das Versprechen, beste Qualität erwarten zu dürfen.

Wege zum Zertifikat

Um festzustellen, ob ein Wanderweg das Zeug zum Prädikat hat, gehen Wanderverband und Wanderinstitut unterschiedlich vor. Um das Zertifikat „Qualitätsweg“ des Deutschen Wanderverbands beantragen zu können, führen vom Verband geschulte Vertreter aus der antragstellenden Region eine Bestandsaufnahme des Wanderwegs nach klar definierten Kriterien durch. Stellt der Bestand-erfasser hierbei fest, dass der Weg den Qualitätsansprüchen genügt, werden die Daten beim Wanderverband eingereicht, der sie überprüft, den Wanderweg vor Ort stichprobenartig überprüft und nach positiver Prüfung das Zertifikat verleiht, das dann drei Jahre gilt. Während das Verfahren beim Deutschen Wanderverband im Sinne seiner „Qualitätsinitiative“ das Know-how in die Regionen trägt und in der Fläche verteilt, behält sich das Deutsche Wanderinstitut als Spezialist die komplette Begehung und Bewertung vor. 

Um das Zertifikat „Deutsche Wandersiegel Premiumweg“ zu erhalten, reicht die für den Wanderweg verantwortliche Region lediglich den Wegeverlauf beim Deutschen Wanderinstitut ein. Daraufhin begeht ein Mitarbeiter des Instituts den Weg komplett und überprüft die Ausprägung von Qualitätskriterien wie Belag, Verkehrssicherheit, Markierung oder Abwechslungsreichtum. Damit ein Wanderweg das ebenfalls drei Jahre gültige Zertifikat „Premiumweg“ erhalten kann, muss der Weg eine Mindestanzahl an Punkten erzielen.

Prädikate erobern ganz Wanderdeutschland

Während das Deutsche Wanderinstitut von Beginn an sowohl Weitwanderwege als auch Mehrtages- und Tagestouren zertifizierte – seit 2015 auch Premium Spazierwege mit Längen von maximal 7 km – konzentrierte sich der Deutsche Wanderverband zunächst auf Wanderwege ab 20 km Länge. Das änderte sich 2014 mit der Ausweitung des Prädikates „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ auf thematische Kurzwege mit bis zu 20 km Länge, die sich jeweils auf die Wünsche einer bestimmten Zielgruppe konzentrieren, darunter Familienspaß, Komfortwandern oder regionaler Genuss. Derzeit sind vom Deutschen Wanderverband insgesamt 13.662 km Wanderwege so zertifiziert worden. Sie verteilen sich auf 152 Qualitätswege, von denen 27 Kurzwege sind, in 13 Bundesländern. 

Bei der Zertifizierung von Wegen ist es nicht geblieben. 2005 führte der Deutsche Wanderverband das Prädikat „Qualitätsgastgeber Wanderbares Deutschland“ ein und hat damit bis heute 1.600 Gastgeber bundesweit in Sachen Wanderkompetenz überprüft. Seit 2014 können sich zudem ganze Regionen als „Qualitätsregion Wanderbares Deutschland“ zertifizieren lassen. Diesen Status haben bislang die Sauerland-Wanderdörfer, das ZweiTälerLand im Schwarzwald und der Frankenwald erreicht. Das Deutsche Wanderinstitut zog 2015 mit der Zertifizierung der „Premium-Wanderregionen“ Saar-Hunsrück, Tecklenburger Land, Traufgänge Schwäbische Alb und Traumpfadeland Rhein-Mosel-Eifel nach. Ein umfassendes und aktuelles Informationssystem zu den Wegen, Mobilitätsangebote für Wanderer, nachgewiesene Aktivitäten in Sachen Naturschutz oder die Verfügbarkeit regionaler Produkte sind Kriterien, die bei den Zertifizierungen eine Rolle spielen. 

Synergieeffekte nutzen

Für Regionen, die auf Wandergütesiegel setzen, bedeutet der Zertifizierungsprozess nicht nur einen finanziellen Aufwand, sondern auch viel personelles Engagement und eine große Organisationsleistung. Dass sie stolz darauf sind, die jeweilige Zertifizierung „gepackt“ zu haben, ist nur zu verständlich. Denn auch wenn es mittlerweile Zehntausende Kilometer zertifizierter Wanderwege gibt, so stehen diesen Hunderttausende nicht zertifizierte gegenüber. Letztere müssen keineswegs schlecht sein, aber sie geben uns eben nicht das verbindliche Qualitäts-Versprechen. Die Übergabe der Zertifizierungs-Urkunden wird auf Messen und mit Festen entsprechend zelebriert, die Prädikate werden Teil der Werbung und „Qualitäts-Verbünde“ nutzen Synergieeffekte und machen gemeinsam auf sich aufmerksam. 

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Die Top Trails of Germany (www.top-trails-of-germany.de) z. B. sind eine Kooperation von Weitwanderwegen, die entweder Premiumweg oder Qualitätsweg Wanderbares Deutschland sind. Sie treten unter einem Dach auf Messen auftreten und haben eine gemeinsame Website. Als PremiumWanderWelten (www.premiumwanderwelten.de) haben sich in ähnlicher Weise derzeit neun Regionen zusammen getan, die bei ihren Wanderwegen auf das Zertifikat Premiumweg setzen und 200 davon bündeln.

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