© Klaus-Peter Kappest

Andracks Wanderoskars

Ausgabe 191 – November/Dezember 2016

Know How

Für Reese Witherspoon in „Der große Trip - 
WILD“ regnet es geradezu Wanderoscars. © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Für Reese Witherspoon in „Der große Trip - WILD“ regnet es geradezu Wanderoscars. © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Für Reese Witherspoon in „Der große Trip - WILD“ regnet es geradezu Wanderoscars. © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Wanderoscarwürdig: Devid Striesow in 
„Ich bin dann mal weg“. © Warner Bros. 
Entertainment GmbH

Wanderoscarwürdig: Devid Striesow in „Ich bin dann mal weg“. © Warner Bros. Entertainment GmbH

Wanderoscarwürdig: Devid Striesow in „Ich bin dann mal weg“. © Warner Bros. Entertainment GmbH

Wanderoscarwürdige Dialoge: Redfort und Nolte in „Picknick mit Bären“. © ALAMODE FILMDISTRIBUTION oHG

Wanderoscarwürdige Dialoge: Redfort und Nolte in „Picknick mit Bären“. © ALAMODE FILMDISTRIBUTION oHG

Wanderoscarwürdige Dialoge: Redfort und Nolte in „Picknick mit Bären“. © ALAMODE FILMDISTRIBUTION oHG

Wer hätte noch vor wenigen Jahren gedacht, dass Wandern ein Thema für Hollywood und das Kino sein könnte?

Aber in der letzten Zeit sind mit Kerkelings Pilgerbuch-Verfilmung „Ich bin dann mal weg“, „Picknick mit Bären“ (mit Robert Redford) und „Der große Trip“ (mit Reese Witherspoon)  drei große Wanderfilme in den Kinos gelaufen. 

Seit Jahrzehnten gibt es Roadmovies, das Auto ist den Weiten Amerikas angemessen, „Born to be wild“ war der erste Bikerfilm, aber dass sich Hollywood und auch das deutsche Kino dem Wandern zuwendet, das muss man als die Geburt eines neuen Kino-Genres begreifen. Doch taugen diese Wanderfilme etwas? Einen Oscar haben sie bisher (noch) nicht bekommen. Ich werde die drei herausragenden Wanderfilmproduktionen unter die Lupe nehmen und Wanderfilm-Oscars vergeben.

Ich bin dann mal weg – oscarwürdiger Striesow Dass es irgendwann eine Verfilmung des Mega-Bestsellers von Hape Kerkeling geben würde, war abzusehen. Fünf Millionen verkaufte Buchexemplare, Hörbücher, da musste auch ein Film her: „Ich bin dann mal weg“. Eine der Gründe, warum der Film erst fast zehn Jahre nach dem Buch in die Kinos kam, war die ungeklärte Rolle von Kerkeling selber bei diesem Projekt. Sollte er die Hauptrolle spielen oder nicht? Er hat sich für die Rolle des Produzenten entschieden und das ist auch gut so. Denn die schauspielerische und körperliche Leistung des Kerkeling-Darstellers Devid Striesow ist gigantisch. Er hat sich ein gewaltiges Doppelkinn und eine mächtige Wampe angefressen, vergleichbar ist das nur mit der legendären Gewichtszunahme eines Robert de Niro in „Wie ein wilder Stier“. Nur eben in der Kategorie: Wie ein wilder Pilger. Auch herrlich, wie er die Gefühlszustände des Pilgers spielt. Lustloses Wandern mit Kippe, unsicher tastend, dann wieder forsches Voranschreiten mit Power – Striesow versteht es, Gefühlsausdrücke durch den Wanderstil darzustellen. Das gibt ganz klar den Wanderoscar für die beste männliche Hauptrolle. 

Sehr schön ist die Pyrenäen-Krise von Kerkeling dargestellt: Es regnet Sturzbäche, ein fitter Rentner überholt ihn, für jeden Wanderer die Höchststrafe, wenn man von deutlich älteren Leute bergan stehen gelassen wird. Aber dann stolpert der Film-Kerkeling und fällt kopfüber in die Pfütze. Oh Gott, wie oft musste das der arme Striesow wohl drehen? Weil: So ist noch nie ein Mensch hin gefallen, ohne Stützreflex und das Gesicht voran. Und wenn, dann hast Du eine Gehirnerschütterung und Platzwunden und nicht nur ein wenig Dreck im Gesicht. Urteil des Fachmanns: das gibt die Goldene Himbeere für die unrealistischste Wanderszene. 

Die Landschaftsaufnahmen in „Ich bin dann mal weg“ sind mit dem Kamera-Helikopter oder einer Drohne gedreht. Der Film hat sich gut dem Problem gestellt, wie man eine so langsame, unspektakuläre Fortbewegung wie das Wandern filmisch darstellen kann. Durch viele Luftaufnahmen, aber auch Froschperspektiven von vorbei gehenden Wanderschuhen kommt die Dynamik aus der Kamerabewegung, nicht aus der Bewegung des wandernden Schauspielers. Das funktioniert sehr gut und gibt einen Wanderoscar für die beste Kamera. 

Weiter geht’s im Heft, Ausgabe 191/2016

Wie realistisch werden aber die Strapazen einer Jakobsweg-Pilgertour dargestellt? Nehmen wir mal die Szene, in der sich Striesow alias Kerkeling Blasenpflaster aufklebt. Die Blasen sind wirklich toll nachempfunden. GENAU so sehen die aus, das tut schon beim Hinschauen weh. Aber auch das Gesicht von Striesow ist sehr realistisch geschminkt. Die Rotschattierungen für den leichten Sonnenbrand und das schweißig Glänzende ist sehr authentisch. ...



Weiter geht's in der Print-Ausgabe

Diese Artikel finden Sie vollständig in unserem Heft.

Alle zwei Monate neu mit vielen ausgearbeiteten Tourentipps, Kartematerial, Touristeninformationen und natürlich jede Menge wunderschöner Bilder und Eindrücke!