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Berg und Tal digital: "Wann sind wir endlich oben?"

GPS

13.04.2017

Diese quälende Frage von Mitwanderern lässt sich in der Regel nur schlecht mit einem Blick auf den vorausliegenden Weg beantworten. In der Regel offenbart sich der Gipfel erst kurz vor seiner Eroberung, wenn Wald die Sicht versperrt und sich nur die nächste Serpentine erkennen lässt. In gedruckten Wanderführern, auf Infotafeln und teilweise sogar auf der Wanderwegweisung finden sich Hinweise auf die zu bewältigenden Höhenmeter, aber – wie viel haben wir denn eigentlich schon geschafft?

Die Antwort darauf kann ein GPS-Gerät geben, denn es misst neben der eigenen Position permanent auch die aktuelle Höhe und speichert sie auf Wunsch auch bei der Aufzeichnung des Streckenverlaufs. Aber Achtung – diese Höhenmessung ist mit Vorsicht zu genießen. Deswegen haben wir dazu einige Tipps zusammengetragen. 

Exakt ist anders

Durch das GPS-System bedingt ist die Höhenmessung eines GPS-Gerätes etwa um den Faktor 2,5 schlechter als die Positionsmessung, d.h. die Lokalisierung in der Fläche. Wenn also ein GPS-Gerät seine eigene Position auf etwa fünf bis zehn Meter genau bestimmt, kann die Höhenmessung bei der gleichen Messung bis über 20 m abweichen. Diese Höhenungenauigkeit hängt in der Praxis weniger vom schwierigen Gelände ab als von der Konstellation der GPS-Satelliten, die sich ständig bewegen. Stehen diese nämlich ungünstig am Himmel, z. B. dicht nebeneinander, ist die Positionsmessung relativ ungenau und die Höhe eben noch ungenauer. 

Der Start entscheidend

Wie präzise eine Höhenmessung ist, entscheidet sich vor allem beim Start einer Wanderung. Erstes Gebot: Bei möglichst freiem Himmel, z. B. mit wenig Umgebungsbebauung, dem GPS-Gerät einige Minuten Zeit geben, um genügend Satelliten empfangen zu können. Denn auch nachdem das Gerät Positionsempfang vermeldet hat, sucht es fleißig weiter nach Satelliten, die dann insbesondere für eine präzisere Höhenmessung nützlich werden.

Nun folgt ein technischer Trick. Die meisten GPS-Geräte sind inzwischen mit einem barometrischen Höhenmesser ausgestattet. Dieser kann über die Luftdruckschwankungen einen Höhenverlauf deutlich präziser angeben als es die Messungen über die GPS-Satelliten können. Nur kann er seine Anfangshöhe nicht selbst ermitteln, sondern muss diese in irgendeiner Form mitgeteilt bekommen. 

In der Regel funktioniert das so: Das GPS-Gerät misst die Anfangshöhe durch die GPS-Satelliten, teilt sie dem barometrischen Höhenmesser mit, der wiederum die Messung bis zum Schluss der Tour übernimmt. Diese luftdruckbezogenen Messungen sind übrigens erstaunlich präzise – vorausgesetzt, die Anfangshöhe stimmt. Doch genau diese ersten Messungen können leider noch wesentlich ungenauer sein als die bereits erwähnte permanente GPS-Höhenungenauigkeit. Denn ein GPS-Gerät bestimmt nicht in einem Schritt seine Position, sondern ermittelt sie über fortlaufende Messungen, die im Sekundentakt schrittweise präziser werden. Übernimmt der Barometer aus diesen Messungen bereits eine falsche Ausgangshöhe, z. B. 50 m unter NN, obwohl man sich  auf 128 m über NN befindet, schleppt er die Differenz  dieser 178 m über die ganze Tour mit. 

Gegenmaßnahme: Kalibrieren

Man kann dem GPS-Gerät aber auch manuell die aktuelle Höhe mitteilen, mit der der barometrische Höhenmesser dann weitermisst. Dieses „Kalibrieren“ sollte zu Beginn der Tour erfolgen, allerdings erst nachdem das Gerät ein paar Minuten aktiv war. Am besten löscht man dazu auch die gerade begonnene Trackaufzeichnung, damit keine Reste von Fehlmessungen mehr vorhanden sind. Nun wird die Aufzeichnung des Tracks präzise fortgesetzt.

Das Kalibrieren erfolgt meist im Menü über „Einstellung“ und „Höhenmesser“. Jetzt fragt das Gerät nach der aktuellen Höhe. Dies kann vor Ort bei einer Wanderung lange Gesichter erzeugen – denn woher soll man z. B.  die Höhe des Parkplatzes wissen, von dem man startet? Unser Tipp: Schauen Sie sich den Startort vorher  im Internet an. Portale wie www.gpsies.com zeigen beim Klick auf die Karte auch die aktuelle Höhe (Google Maps übrigens nicht). Besonders gut kann man Höhe und Höhenverläufe auch mit PC-Software wie MagicMaps oder BaseCamp messen (bei Basecamp allerdings nur, wenn Original-Garmin-Karten verfügbar sind). Smartphones besitzen übrigens noch relativ selten einen barometrischen Höhenmesser, sollten also zur Höhenbestimmung nicht unbedingt herangezogen werden. Wer besonders präzise messen möchte, sollte die Kalibrierung unterwegs wiederholen. Hilfreich dafür sind z. B. Wanderwegeschilder oder Infotafeln, sofern darauf Höhenangaben verzeichnet sind.

Unterwegs Höhenprofil nutzen

Wer sich den Tourenverlauf unterwegs auf dem GPS-Gerät anzeigen lässt, kann darauf in der Regel auch ein Höhenprofil darstellen lassen. Gerade bei Berg-und-Tal-Wanderungen ist dies besonders praktisch, denn auf der Höhenkurve wird auch die eigene Position deutlich. So kann man relativ gut einschätzen, welcher Aufstieg noch bis zum Erklimmen des nächsten Höhenzuges zu leisten ist. Und in der Folge: Wie weit geht es bis zum nächsten Talboden hinunter? Die eigentliche Steigung oder das Gefälle vor Ort und damit der Schwierigkeitsgrad hingegen sind bei solchen Darstellungen nicht ermittelbar, dafür sind sie einfach zu ungenau.

Wie viel haben wir geschafft?

Nach der Tour verraten das GPS-Gerät oder die Auswertung des aufgezeichneten Tracks am PC zu Hause auch die Summe der geschafften Höhenmeter. Dabei ergeben sich nicht selten Überraschungen über die Abweichungen zwischen GPS-Geräten und Software – auch bei der Auswertung desselben Tracks. Der Grund hierfür liegt in der unterschiedlichen Berechnung der Höhenwerte, denn GPS-Geräte und Software filtern Extremwerte und Schwankungen bei den Aufzeichnungen mit verschiedenen Messverfahren heraus. Mit dem Ergebnis, dass die geleisteten Höhenmeter nicht selten 20 % und mehr auseinanderliegen.

Also am besten kein wissenschaftlich genaues Ergebnis erwarten, sondern die Höhenmeter immer mit demselben Verfahren auswerten, z. B. über Garmin Basecamp, das ergibt zumindest vergleichbare Werte.

Text, Fotos und Screenshots: Thomas Froitzheim

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