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Tipps zum Stockeinsatz: Hurra, wir gehen am Stock!

Kaufberatung

12.04.2017

© LEKI/Christoph Schöch

„Am Stock gehen“,  das kann auch etwas sehr Positives sein, beim Wandern ist das sogar ziemlich schau. 

Vor vielen Jahren warnte die medinzinische Kommission der Union Internationale des Associations d’Alpinisme (UIIA) vor den Gefahren der häufigen und regelmäßigen Nutzung von Stöcken beim Wandern, weil das Gleichgewichtsgefühl vermindert werden könnte. Das war 1994 – also weit vor der Nordic Walking Welle. In einer aktualisierten Fassung „Nr. 11 Wanderstöcke in den Bergen“ von 2008 taucht das Argument erneut auf. Das Papier umfasst einen Literaturteil mit acht Studien bzw. Abhandlungen zu Stöcken. Während bei den Vorteilen Bezüge zu diesen Studien hergestellt werden, findet sich bei den Nachteilen kein solcher Bezug. Es ist auch nicht bekannt, dass starke Nordic Walker den Gleichgewichtssinn verlieren. Es liegt also nah, dass es keinen nachgewiesenen medizinischen Nachteil für die Verwendung von Stöcken beim Bergwandern gibt – außer dass man über die Stöcke natürlich stolpern kann.

Unzweifelhaft sind dagegen die Vorteile von Stöcken. Sie erleichtern nicht nur das Auf- und Absteigen, sondern entlasten auch nachweislich die Gelenke der unteren Extremitäten sowie die Wirbelsäule. Selbst die UIAA empfiehlt Stöcke im hohen Alter oder bei Übergewicht, im Falle von Erkrankungen von Gelenken und Wirbelsäule sowie beim Tragen schwerer Lasten. Immer vorausgesetzt die Stöcke werden korrekt eingesetzt. Aber was ist korrekt?

Wichtig ist vor allem die richtige Stocklänge. Die Faustregel lautet: Legen Sie den Oberarm seitlich am Körper an und heben Sie den Unterarm, bis der Winkel zwischen Ober- und Unterarm mindestens 90° beträgt. Mindestens heißt, dass der Winkel durchaus etwas größer, aber nie kleiner sein sollte. Die Hände sollten sich immer tiefer als der Ellenbogen befinden, damit die Durchblutung nicht eingeschränkt ist. Das kann zu Taubheit in den Händen und kalten Händen führen. Berghoch dürfen die Stöcke ruhig etwas kürzer eingestellt sein, das erleichtert die Steigbewegungen durch kürzere Schubwege. Bergab sollen die Stöcke ruhig länger sein, damit man nicht zu stark in eine Vorderlage gerät. Beim Travesieren am Hang kann der Bergstock kürzer und der Talstock länger eingestellt werden. Praktisch und einfach sind Stöcke mit einer gepolsterten Manschette unterhalb der Griffe. Dann kann man auf die kürzere Länge unproblematisch umgreifen, ohne dass man die Stocklänge ständig ändern muss. 

Ebenso wichtig ist der Richtige Griff an den Stock. Die Hand greift von unten in die hängende Schlaufe, so dass der obere Teil der Schlaufe über dem Handgelenk verläuft und man mit der Hand die Schlaufe an den Griff drückt. So hat kann man über die Schlaufe auf den Griff Druck ausüben, ohne dass die Schlaufe zu eng eingestellt sein muss. Eine „lockere“ Schlaufe ist notwendig, damit man beim Sturz schnell aus ihr herauskommt bzw. sich nicht über die enge Schlaufe das Handgelenk bricht. Beim Bergabgehen empfiehlt es sich, die Hand aus der Schlaufe zu nehmen. Dann hat man das Bruchriskiko nicht beim Sturz und man kann den Stock besser von oben am Knauf halten.

Auch wichtig: Halten Sie den Stock stets dicht am Körper. Wenn Sie ihn zu weit vom Körper entfernt einsetzen, verändern Sie den Körperschwerpunkt zu weit weg von dem Normalpunkt. Trekkingstöcke werden hauptsächlich vor dem Körper eingesetzt oder seitlich zum Stützen. Darin unterscheiden sie sich von Nordic Walking-Stöcken, die mit einer starken Bewegung am Körper vorbei geführt werden. Daher gibt es auch Unterschiede bei den Schlaufen. Nordic-Walking-Handschlaufen lassen sich nicht sinnvoll zur Stützkraft einsetzen, sie sind mehr als Antrieb zu nutzen.

Die meisten und schlimmsten Unfälle passieren aber nicht durch die Nichteinhaltung der genannten Tipps, sondern durch das Brechen oder ein Zusammenschieben der Teleskopstöcke bei Belastung. Vor allem bei matschigem Untergrund oder im Schnee kann sich der Feststellmechanismus (Drehverschluss mit Konus im Stock) durch regelmäßige, leichte Gegendrehbewegungen beim normalen Laufen lockern. Es ist wichtig, die Festigkeit der Feststellmechanismen regelmäßig zu überprüfen, damit es nicht zu schweren Stützen kommt. Manche Hersteller haben eine Rückdrehsicherheit in den Stock eingebaut, dank der sich der Stock um 360° Grad verdrehen kann, ohne dass sich der Stock zusammenschiebt. So hat man ausreichend Zeit, um die Sicherheit der Feststellmechanismen zu überprüfen. Schnellspannverschlüsse sind da sicherer, bereiten aber manchen Nutzern Probleme beim Zudrücken, so dass sie manchmal nicht richtig gespannt werden und dann auch Zusammenrutschen können.

Stöcke können bei Hebelverklemmungen zwischen Felsen brechen – auch die besten Stöcke. Stöcke aus billigem, schlechten Aluminium können aber auch schon durch ruckartige Bewegungen brechen. Es gibt zwar vom TÜV Süd ein Prüfzeichen für Trekkingstöcke, allerdings ist diese vom Gesetzgeber nicht verpflichtend. Ein Stock sollte, laut TÜV, eine Stützkraft von 1.400 N haben, also etwa 140 Kilo halten. Unsere Empfehlung deshalb: Kaufen Sie sich einen Markenstock eines renommierten Stockherstellers – dann können Sie beruhigt am Stock gehen.

Ralf-Stefan Beppler, Abbildungen: LEKI

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