© Klaus-Peter Kappest

Leuchtend rot, groß und schön: Die Feuer-Lilien über dem Gardasee

Wanderempfehlungen der Redaktion

27.10.2015

Blick vom Monte Creino auf den Gardasee. Foto: Dr. Konrad Lechner

Die Feuer-Lilie wurde vom schwedischen Naturforscher Carl von Linné im 18. Jh. wissenschaftlich Lilium bulbiferum genannt.

Die wenigen trichterförmigen Blüten eines Stängels können einen Durchmesser bis 14 cm erreichen. Sie bestehen aus sechs Perigonblättern, die meistens rot, manchmal auch etwas gelbrot gefärbt und in zwei Kreisen angeordnet sind. Die Staubblätter mit ihren roten Staubbeuteln sind wesentlich kürzer als die Perigonblätter. Nach der Befruchtung bildet sich eine mehrere Zentimeter lange sechskantige Frucht. Die Feuerlilie ist eine mittel- und vor allem südeuropäische Gebirgspflanze. Auch die Busch-Nelke finden wir auf dieser Tour in größerer Zahl. Sie wurde nach dem französischen Botaniker J. F. Séguier des 18. Jh. Dianthus seguieri genannt. Man erkennt sie an den roten Blütenblättern, deren Rand gezackt ist und die zusammen einen Kreis mit dunkelroten Punkten aufweisen. Sie kommt besonders in Südwesteuropa und Norditalien in Höhen bis 1300 m vor. Vereinzelt findet man sie auch noch im Schwarzwald.

Konrads botanische Wanderung

Das Gebirge wird von Woche zu Woche einsamer. Die Kühe und Schafe wurden bereits abgetrieben und auch die Zahl der Wanderer wird zunehmend geringer. Bald wird der erste Schnee zunächst Gipfel und Grate überzuckern und dann mit der Macht des Bergwinters von den Höhen in die Täler absteigen. Es ist für die vielen Freunde der alpinen Flora eine günstige Zeit, an den nächsten Bergsommer zu denken. Gerade im Gebirge ist eine sorgfältige Planung wichtig, deshalb ist man gut beraten, das Exkursions- und Wandergebiet vorher in Ruhe zu studieren. Heute möchte ich Ihnen einen außergewöhnlichen Tourentipp vorschlagen, der eine Reise in die Südalpen sicher bereichern würde: Auf den Spuren der Feuer-Lilie zum Monte Creino über dem Gardasee. Dass uns dabei auch eine Reihe anderer botanischer Kostbarkeiten der Berge begegnen wird, ist natürlich gewollt. Sie werden begeistert sein.

Dieser botanische Exkursionsvorschlag aus meiner Serie „Konrads Botanische Wanderungen“ führt Sie von den beliebten Urlaubsorten Riva oder Torbole am nördlichen Gardasee auf den Monte Creino. Er überragt den See um etwa 1.200 Meter. Landschaftliche Schönheit mit traumhaften Ausblicken auf den Gardasee und die ihn umgebende Bergwelt sowie Fernblicke auf den Alpenkamm bietet der Halbtagesausflug eigentlich zu jeder Jahreszeit. Um jedoch die Feuer-Lilien blühen zu sehen, sollten man etwa in der zweiten Junihälfte bis Anfang Juli zu dieser Wanderung aufbrechen. Dann leuchten die feuerroten, trichterförmigen Blüten der Feuer-Lilie in der Sonne. Natürlich findet man zu dieser Zeit auch viele andere botanische Kostbarkeiten der Berge, oder kann den in den Südalpen lebenden Segelfalter beobachten, der gerne die Berggipfel umkreist. Besonders erwähnenswert ist die Busch-Nelke mit ihren rot blühenden Blüten, die in Deutschland nur noch im Schwarzwald, in Oberbayern und in Ostbayern vorkommt.

Eine ganz andere Besonderheit der Tour ist die Berührung mit Zeugnissen eines furchtbaren, entbehrungsreichen Krieges zwischen italienischen und österreichischen Gebirgsjägern in den Bergen. Am Monte Creino befinden sich, wie in vielen Gegenden der Südalpen, noch Reste von Stellungen aus den Kämpfen von 1915-1918. Es sind Zeugnisse unbeschreiblichen Leides und es ist zugleich eine dauerhafte Mahnung für Frieden und Versöhnung. Deshalb wurde auch der Monte Creino in den Friedensweg (Sentiero della Pace), einem im 20. Jahrhundert eröffneten Weitwanderweges durch die Südalpen und dort insbesondere den Dolomiten, einbezogen. Im Andenken an diesen sinnlosen Krieg wurden, aus Anlass der 100-jährigen Wiederkehr des Eintritts Italiens in die Wirrnisse des Ersten Weltkrieges 2015, im Sommer viele Gedenkfeiern, -wanderungen und -veranstaltungen angeboten. Dennoch, dies soll eine Tour der Freude, der Freiheit und der ästhetischen Hochgenüsse sein. Sie werden es nicht bereuen, für einige Stunden den See verlassen zu haben.


Monte Creino, Botanische Halbtagesexkursion

  • Charakter: Rundwanderung
  • Wanderzeit: 1 Std. 
  • Länge: 3,6 km     
  • Anstiege: 122 m

Start/Ziel: Parkplatz an der Straßenkreuzung S. Barbara unterhalb des Hotels Genzianella
Markierung: F08 bis zum Gipfel lückenhaft, dann nach Beschreibung, später wieder F08.
An- und Abreise PKW: Von Nago, Torbole und Riva über Bolognano, von Mori und aus Rovereto über Ronzo Chienis

Wegbeschreibung: An der dem Brunnen gegenüberliegenden Straßenseite auf einem befestigtem Fahrweg dem Wegweiser Monte Creino bzw. der Markierung F08 folgen. Nach einer Links- und Rechtskurve biegt man links ab und geht in den Wald. Ein kurzer Aufstieg führt zu einer Weggabelung, wo der mit F08 markierte Weg links nach Ronzo Chienis abbiegt. Hier aber rechts ab entlang des Absturzes (bei Nebellage bitte Vorsicht walten lassen) weiter und bis zum Gipfelkreuz des Monte Creino mit großartiger Aussicht auf den etwa 1.200 m tiefer liegenden Gardasee und die am Nordufer gelegenen Ortschaften Torbole und Riva. Man geht weiter auf Trittspuren am Absturz entlang und erreicht Stellungen aus dem Gebirgskrieg des 1. Weltkrieges. Etwa 150 m nach dem Gipfelkreuz gelangt man zu einer Weggabelung, an der man rechts abwärts geht. Auf diesem Weg kommt man an dem Standort der Feuer-Lilien vorbei. An einer folgenden Weggabelung geht man wieder rechts und erreicht auf einem breiten Weg die Route des Aufstieges mit der Markierung F08 und geht auf gleichem Weg zurück zum Ausgangspunkt am Parkplatz.

Karte: Kompass Karte Nr. 687 Monte Stivo, Monte Bondone, Rovereto, Mori, Arco, 1:25.000, ISBN 978-3-85491-684-0, 6,95 Euro

Einkehr u. Übernachtung, Informationen:
Hotel Genzianella, Tel. 0039/0464/80 26 31


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