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Weite & Wildnis auf dem Bruce Trail in Kanada

Eine unglaubliche Aussicht für mich allein gleich am ersten Tag.

Eine unglaubliche Aussicht für mich allein gleich am ersten Tag.

Flower Pot Island mit seinen kuriosen Steinformationen.

Flower Pot Island mit seinen kuriosen Steinformationen.

Unterwegs im Nationalpark finde ich diese kleine Aussichtsplattform mit Blick über das Wasser.

Unterwegs im Nationalpark finde ich diese kleine Aussichtsplattform mit Blick über das Wasser.

„Turn left, on the unpaved road.“, sagt das Navi. Na dann, auf ins Abenteuer. Ich setze den Blinker und biege nach links auf eine Schotterpiste ab. 

Wegmarkierung des Bruce Trails

Ein kleiner unauffälliger Parkplatz umringt von Bäumen empfängt mich. Methodisch gehe ich meinen Rucksack noch einmal kurz durch: zwei Liter Wasser, Müsliriegel, Apfel und Nüsse, Erste-Hilfe-Set, Handy (erstaunt stelle ich fest, das ich hier sehr guten Empfang habe), Kamera, Fleece- und Regenjacke. 
Ich schnüre mir die Wanderstiefel, wohl das Schwerste, was ich in meinem Koffer hatte und breche auf. 

Eine halbe Stunde später: Ich folge brav der weißen Markierung an den Birkenstämmen, konzentriere mich auf meine Schritte über Wurzeln, Steine und versteckte Vertiefungen unter dem dichten Laub aus dem letzten Herbst. Vogelstimmen, die ich nicht zuordnen kann, tönen durch den Wald und überall raschelt es um mich herum. Ansonsten nehme ich nur meine Schritte über den Trampelpfad war, kein Anzeichen von Zivilisation. Mir kommen erste Zweifel auf. Was tue ich eigentlich hier? 

„Hier“ ist Kanada. Genauer gesagt Ontario, Northern Bruce Peninsula auf einem Abschnitt des Fernwanderwegs Bruce Trail. Eine unglaublich schöne Landschaft, nur drei Stunden von Toronto in Richtung Norden entfernt. Vor zehn Jahren war ich das letzte Mal vor Ort und endlich hatte es wieder geklappt. Doch so völlig alleine hier durch die Wildnis zu wandern, kostet mich in den ersten Tagen etwas mehr Überwindung als gedacht. Eine Herausforderung, die ich gerne angehe, schließlich will ich die Natur und Abgeschiedenheit voll auskosten. 

Ich staune über die Blautöne in den Buchten

Der Bruce Trail verläuft ca. 900 km von Niagara hoch in die kleine, pittoreske Hafenstadt Tobermory. Er ist der älteste, markierte Wanderweg Kanadas. Besonders das nördliche Bruce Peninsula fasziniert mit einer Pfadführung durch eine unglaublich schöne Landschaft, geprägt vom Wechsel zwischen Wald und Wasser. 
Die Idee zu diesem Naturpfad fand ihren Ursprung am 23. September 1960. Norman Pearson, Philip Gosling, Dr. Robert MacLren und Ray Lowes gründeten an diesem Tag das „Bruce Trail Comittee“ mit dem Ziel eines Pfades von Queenston nach Tobermory. 50 Jahre später kümmern sich Vereine mit vielen Freiwilligen um die verschiedenen Abschnitte. So begegnet mir am zweiten Tag ein Ehepaar bewaffnet mit einer Gartenschere zur Pfadpflege, auf dem Trail. Schnell entwickelt sich ein kleines Gespräch über Gott und die Welt und mir wird klar, egal wo ich auf der Welt als Wanderer unterwegs bin, auf den Wegen begegnet man nicht Fremden sondern Gleichgesinnten.

Der Bruce Trail ist absolut naturnah. Selten bin auf Straßen oder Forstwegen unterwegs. Er ist sehr gut markiert (zumindest wo ich unterwegs war) und gäbe es zwischendurch Sitzbänke, könnte er als Qualitäts- oder Premiumweg deklariert werden. Ich vergebe auch ohne Sitzgelegenheiten die Bestnote. Er ist das, was ich als die Urform des Wanderweges verstehe. Schon lange musste ich mich nicht mehr auf einen Weg so einlassen und meinen Kopf benutzen. Denn trotz der guten Markierungen sollte man aufmerksam unterwegs sein. Manchmal ist der Pfad nicht vom „regulären“ Waldboden zu unterscheiden. Nach ein, zwei Touren bekommt man aber ein gutes Gefühl dafür. Genau so will ich am liebsten immer Wandern.

Unterwegs auf Flower Pot Island

Für mich ist es ein Weg für die Sinne. Mal strömt mir der Zederngeruch tief in die Nase, dann wieder das sich langsam zersetzende Laub auf dem Boden. Plötzlich umweht mich eine kleine Böe und der Geruch von Wasser schwebt in der Luft. Mit der Hand berühre ich die Rinde der Zedern und Birken, taste mich an kurzen Steilhängen hinauf und wieder herunter, ertaste das Gestein und rutsche mit den Schuhen über die Nadel und nassen Stellen auf dem Weg. An schattigen Orten finden sich noch letzte Reste von Schnee und Eis. Gleichzeitig nehmen meine Augen tiefe, satte Grün- und Brauntöne war, werden von der Sonne auf den Klippenvorsprüngen geblendet. Ich bin fassungslos, in was für Farbnuance das Wasser in den Buchten ans Ufer schwappt. 
Jeder Meter löst hier etwas in mir aus, bringt mich ins Staunen oder lässt mich kurz zusammenschrecken. Alleine unterwegs muss ich mich damit selbst auseinandersetzen und je öfter ich dies tue, desto schöner wird das Erlebnis.  

Tipp: Auf jeden Fall sollte ein Besuch im Visitor Centre des Nationalparks eingeplant werden. Hier findet sich eine Ausstellung zur Tier-und Pflanzenwelt, Informationen zu Projekten und hilfsbereite Ranger.  


Informationen

www.northbrucepeninsula.ca

www.brucetrail.org

www.explorethebruce.com

Fathom Five National Marine Park 


Unterkünfte, z.B. über www.rentcottage.com

 

 

 

Text und Fotos: Ricarda Große

Text und Fotos: Ricarda Große

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Erschienen in

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